In ihren Arbeiten behandelt Barrada das heutige Leben in Tanger, das nicht nur von dem teilweise unvereinbaren Aufeinanderprallen moderner Lebensformen und traditioneller islamischer Werte geprägt ist, sondern von der besonderen geographischen Lage der Stadt. Tanger, an der Nordspitze von Marokko liegend, nur durch die Straße von Gibraltar vom europäischen Festland getrennt, ist Zufluchtsort und zugleich Wartehalle vieler, zumeist illegaler Auswanderer, erfüllt von den Hoffnungen auf ein besseres, ein freieres Leben in Europa. Momente des Wartens, des Abschieds und des Übergangs zwischen zwei Welten nehmen einen zentralen Raum ein und bestimmen zugleich die Wahrnehmung der Stadt, ihrer Topographie und Bewohner. Die Künstlerin verweigert sich jeder klischeehaften Darstellung, wie sie die nordafrikanische Kultur in der westlich geprägten Bildwelt erfahren hat, sondern verbindet einen dokumentarischen Ansatz mit einer eigenwilligen metaphorischen Bildsprache. Sie überzeugt durch formal ungewöhnliche Bildfindungen von großer Intensität und unmittelbarer Authentizität, in denen auch ihr eigenes Gespaltensein zum Ausdruck kommt.