Der Spanier David Nebreda (*1952) litt bereits mehrfach und in Schüben an Schizophrenie. Er fotografierte sich
1989 und 1990 während diesen Schüben. Es entstanden in seinem kleinen Zimmer, wo er eine Kunstlichtlampe
benutzte und ein paar Tücher zur Neutralisierung unruhiger Oberflächen vorhängte, unglaublich eindringliche
Fotos mit seinem kranken, völlig ausgelaugten Körper. Diese Bilder übertreffen alles, was bisher an Selbst‹porträts›
hergestellt wurde.
In seinen mit Selbstauslöser gemachten Bildern erinnert er an einen Hungerkünstler oder einen Schmerzens -
mann. Nebreda scheint nichts mehr zu spüren von sich, nichts mehr zu riechen. All das Blut, die Selbst -
verletzung mittels Verbrennungen, das Ritzen der Haut mit Messern und Rasierklingen, aus der aufgrund der
somatischen Austrocknung kaum mehr Blut dringt. Er sticht sich ins knappe Fleisch, um einem Fakir gleich
Fäden zu ziehen, als ob es darum ginge, sich selber zu flicken. Dann glaubt man, dem Suizid beizuwohnen, wenn
er, mit einem Strick um den Hals, ein gewichtiges Buch zum Abschied von der Welt in den Händen hält.